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akzept. e.V.: Pressemitteilung

akzept. e.V.: Pressemitteilung

Offener Brief des antiprohibitiven Vereines

PRESSEMITTEILUNG DES AKZEPT e.V.
Berlin, 29. Mai 2024

2227 erfasste Drogentote: Ein absoluter Höchststand in Deutschland. Um weitere 12 % ist die Zahl der Menschen, die im Zusammenhang mit ihrem Substanzkonsum verstorben sind, gestiegen, so gab es der Beauftragte der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen Burkhard Blienert heute in der Birkenstube, Kontakt- und Anlaufstelle mit Drogenkonsumraum in Berlin, bekannt.

Der Konsum von Heroin als einzige ursächliche Substanz ist minimal rückläufig, dafür sind Kokain, Crack, Opiatsubstitutionsmitteln sowie Metamphetamin in 2023 häufiger die Todesursache gewesen. Das ist dem Trend zu immer preiswerteren und stärkeren Opioiden und Stimulanzien zuzurechnen. Prof. Dr. Heino Stöver, Institut für Suchtforschung (ISFF) der Frankfurt University of Applied Sciences:

„Viele dieser Todesfälle sind vermeidbar. Wir müssen jetzt endlich die ideologischen Hürden überwinden und uns gezielt mit der Problemlösung befassen. Handlungsempfehlungen,  Maßnahmenkataloge und Konzepte sind bekannt und in der Suchthilfe viele Jahre erprobt worden. Eine konkrete Umsetzung dieser Strategien ist überfällig. Mit dem niedrigschwelligen Ausbau von Drogenkonsumräumen, Drug Checking und Naloxon-Projekten in allen Bundesländern können wir das Leben der Betroffene schützen. Jetzt ist es an der Zeit sich gezielt vorzubereiten, denn das Risiko einer Ausbreitung von synthetischen Drogen besteht auch in Deutschland. Die Konsequenz ist, dass noch mehr Menschen sterben werden.“

Gabi Becker, Geschäftsführerin der Integrativen Drogenhilfe in Frankfurt, weist darauf hin, dass ohne eine ausreichende dynamisierte Förderung der Suchthilfeangebote, Kürzungen der Öffnungszeiten oder sogar Einrichtungsschließungen unvermeidbar sein werden:

„Die Angebote der Suchthilfe müssen raus aus den freiwilligen Leistungen hin zu den Pflichtleistungen der öffentlichen Auftraggebenden! Es kann nicht sein, dass dieser wichtige Aufgabenbereich i.d.R. als erstes den vermeintlichen Kürzungserfordernissen zum Opfer fällt und die Zahl der Drogentoten immer weiter steigt.“

Der Bundesverband akzept e.V. fordert daher dringend gesundheits- bzw. drogenpolitische Veränderungen und konkrete Maßnahmen:

  • Einrichtung von Drogenkonsumräumen mit Drug Checking im gesamten Bundesgebiet. So kann den Konsumierenden niedrigschwellig ein Zugang zum Hilfesystem ermöglicht werden.
  • Flächendeckende Verteilung von Naloxon als Nasenspray.Dieser Opioid-Antagonist kann die potenziell tödlichen Auswirkungen einer Opioid-Überdosierung verhindern.
  • Strukturreform für die opioidgestützte Substitutionsbehandlung mit niedrigschwelligeren Zugängen, z. B. für Menschen ohne Krankenversicherung und in Einrichtungen der medizinischen Rehabilitation, sowie in Gefängnissen und im Maßregelvollzug.
  • Ausbau und Implementierung von speziellen Angeboten für Crack- und Metamphetaminkonsument*innen.
  • Fortbildungen und Einsatz von Maßnahmen wie Safer-Use-Trainings, Erste Hilfe u. m. um diese Angebote Drogengebrauchenden in Einrichtungen der Aids- und Drogenhilfe, der Straffälligen- und Bewährungshilfe zur Verfügung zu stellen.
  • Monitoring der öffentlichen Gesundheit. Eine kontinuierliche Erhebung, Analyse und Interpretation der wissenschaftlichen Daten kann passgenaue Hilfen zur Prävention von Drogentodesfällen ermöglichen. Wir fordern mehr finanzielle Mittel
  • Gesicherte und verlässliche Finanzierung der Angebote der Drogen- und Suchthilfe

Die Leistungserbringung der Suchthilfe ist von Kürzungen bedroht. Das ist nicht hinnehmbar.

www.akzept.eu