Cannabis legal: Keine Veränderung des Konsumverhaltens

Cannabis legal: Keine Veränderung des Konsumverhaltens

Deutschland kifft nicht mehr als vorher

Eine aktuelle Auswertung des Epidemiologischen Suchtsurveys (ESA) zeigt: Die teilweise Legalisierung von Cannabis hat bis Ende 2024 den Konsum erwachsener Menschen kaum verändert. Die nun im Deutschen Ärzteblatt vorgestellten Daten deuten darauf hin, dass der Cannabiskonsum schon seit Jahren stetig zunimmt, die Gesetzesreform aber keinen zusätzlichen Schub ausgelöst hat.

Zwischen 2012 und 2021 stieg der Anteil derjenigen, die innerhalb eines Jahres Cannabis konsumierten, von gut 4 Prozent auf knapp 9 Prozent. Für 2024 wird ein Wert von 9,8 Prozent angegeben. Dieser leichte Zuwachs liegt jedoch innerhalb der statistischen Schwankungsbreite und gilt damit nicht als bedeutsam. Die Forschenden sehen also keinen messbaren Effekt des Konsumcannabisgesetzes, das im April 2024 in Kraft trat.

Die jüngste Datenerhebung fand zwischen August und Dezember 2024 statt. Insgesamt wurden 7.534 zufällig ausgewählte Personen befragt. Mithilfe eines Kalibrierungsverfahrens wurden Unterschiede zwischen Altersgruppen, Geschlechtern, Regionen, Gemeindegrößen und Bildungsniveaus ausgeglichen.

Auch bei den täglichen oder fast täglichen Nutzenden blieb die Lage stabil. Ihr Anteil sank leicht von 17,3 Prozent im Jahr 2021 auf 16,2 Prozent. Ebenso gab es keine wesentlichen Verschiebungen bei jenen, die erst innerhalb der letzten drei Jahre erstmals zu Cannabis gegriffen hatten.

Unter den Konsumierenden waren Männer deutlich häufiger vertreten: Rund zwei Drittel der Personen, die 2024 Cannabis verwendet hatten, waren männlich. Das Durchschnittsalter lag bei 34 Jahren. Am verbreitetsten war Marihuana, gefolgt von Haschisch und weiteren THC-haltigen Produkten.

Erstaunlich wirkt ein anderes Detail der Erhebung: Ein Viertel der Befragten, die im vergangenen Jahr Cannabis konsumiert hatten, erklärte, Mitglied eines Cannabis Social Clubs zu sein. Unter regelmäßigen oder starken Konsumierenden war es sogar ein Drittel. Diese Zahlen überraschen Fachleute, denn während des Befragungszeitraums hatten erst sehr wenige Anbauvereinigungen tatsächlich Cannabis produziert und ausgegeben. Nach Berechnungen von Experten wäre höchstens ein sehr kleiner Teil der Konsumierenden Mitglied einer genehmigten Vereinigung gewesen.

Bei der Konsumform dominierte der Joint. Fast neun von zehn Nutzenden griffen innerhalb eines Jahres dazu, und auch an einem typischen Konsumtag blieb der Joint die häufigste Wahl. Die Mehrheit mischte Cannabis dabei mit Tabak. Fachleute weisen jedoch darauf hin, dass diese Kombination gesundheitlich besonders belastend und mit einem höheren Abhängigkeitspotenzial verbunden ist. Alternative Konsumformen hätten sich hierzulande bisher kaum durchgesetzt.

Etwas weiter verbreitet sei das Verdampfen, vor allem unter Menschen, die regelmäßig konsumieren. Rund 29 Prozent von ihnen nutzen einen Vaporizer, unter gelegentlichen Konsumierenden liegt der Anteil bei gut 10 Prozent. Aus Expertensicht ist das Verdampfen die gesundheitlich vergleichsweise schonendste Konsummethode, insbesondere bei moderaten THC-Gehalten.

Ärzteblatt
Originalarbeit