Delikatessen für die Seele

Delikatessen für die Seele

Hans Coustos Psychedlikatessen

Als Delikatesse (von frz. délicat: fein, delikat, empfindlich, heikel, zart; délicatesse: Feingefühl, Zierlichkeit, Feinheit, Behutsamkeit) bezeichnet man seit dem späten 16. Jahrhundert erlesene Dinge. Heute versteht man darunter vor allem Speisen, die auch als Feinkost bezeichnet werden. Im 17. Jahrhundert bezog sich der Begriff „Delikatesse“ auf die ästhetischen Einflüsse der französischen Kultur, die seinerzeit für Deutschland ein Vorbild waren. So wurde dem Lehnwort von den Sprachgesellschaften des Barock auch zunächst die Prägung „Zartgefühl“ zugeordnet. Etwas „mit Delikatesse“ zu betreiben, hatte auch die Bedeutung, es mit Taktgefühl zu behandeln.

Der Begriff „Psychedelikatesse“ bezieht sich somit nicht nur auf die Qualität einer psychotrop wirkenden Substanz, sondern auch auf die Art der Zubereitung vor dem Genuss und die Art und Weise, wie die Substanz appliziert wird. Damit eine „Psychedelikatesse“ eine wahre Delikatesse für die Seele wird, sind, ganz im Sinne von Timothy Leary, Drug, Set und Setting relevant. Die Zubereitung und die Art der Einnahme der Substanz sind ausschlaggebend für die Art des Genusses, die man nach dem Konsum erleben kann.

Ein würziges Haschisch aus Yammouneh (roter, eher heller Libanese) ist per se schon eine Delikatesse. Damit dieses Haschisch zu einer echten Psychedelikatesse wird, ist es erforderlich zu wissen, für welchen Zweck dieses Mittel genommen wird, da die unterschiedlichen Formen des Konsums in signifikant unterschiedliche Wahrnehmungssphären führen. Gemischt mit Tabak in einem Joint mit Freunden geraucht, wirkt dieses Haschisch entspannend, erheiternd und fördert die Geselligkeit. Pur vaporisiert (verdampft) wirkt es schon deutlich stärker psychedelisch. Und wenn man dieses Haschisch als Gewürz für Speisen (Backen mit Hanf ist hier als Kulturbereich besonders hervorzuheben) oder Getränke (Kakao, Tschai) verwendet, dann erhält man eine Psychedelikatesse, die einen nicht zur entspannt und psychedelisch wirkt, sondern die auch eine länger andauernde vertiefte Wahrnehmungsfähigkeit begünstigt, womit diese Einnahmeart die Feinfühligkeit beim Genuss eines Konzertes (egal ob es sich dabei um ein Streichquartett von Joseph Hayden oder um technoide elektronische Variationen von Setu Ketu handelt) kräftig stimulieren wie auch vielfältige Assoziationen in außergewöhnlich klarer Qualität hervorrufen kann.

Damit Cannabisprodukte nicht nur einfache Konsumgüter oder Medikamente sind, sondern die Kriterien einer Psychedelikatesse erfüllen, braucht es nicht nur guten, sauberen Stoff, sondern auch seitens der Konsumenten Kenntnis von der Kultur des Genusses dieses Stoffes. Je mehr die Kultur des Genusses sich entfalten kann, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich Zufriedenheit im Kreise der Genießenden offenbaren wird. Genusskultur fördert Zufriedenheit. Und wer zufrieden ist, hat keine Begierde respektive kein intensives Verlangen nach mehr (vom Stoff). Deshalb sollte es in jedem Cannabis Social Club einen Kulturbeauftragten geben, der Kenntnis hat nicht nur von den Qualitäten der Produkte, sondern vor allem auch über die Auswirkungen der verschiedenen Konsumformen. Cannabis Social Clubs sollten nicht nur, wie derzeit gesetzlich vorgeschrieben, Zentren für den Anbau sein, sondern auch Zentren für die Vermittlung der Genusskultur. Ein mit Psychedelikatessen vertrauter Kulturbeauftragter in einem Cannabis Social Club würde jedenfalls ein mindestens genauso großen (wenn nicht sogar größeren) präventiven Effekt bewirken wie ein Präventionsbeauftragter.