Ibogain und Herz-Kreislauf-Komplikationen
Studie zum psychedelischen Therapeutikum
Das wachsende Interesse an psychedelisch unterstützten Therapien rückt auch den Wirkstoff Ibogain erneut in den Fokus der Forschung. Das psychedelische Pflanzenalkaloid gilt als vielversprechender Kandidat zur Behandlung von Suchterkrankungen, insbesondere bei Abhängigkeit von Opioiden und Kokain.
Wie aus aktuellen Studien hervorgeht, kann Ibogain – ebenso wie sein Stoffwechselprodukt Noribogain – das Verlangen nach Suchtmitteln sowie Entzugssymptome deutlich reduzieren. Die Effekte beruhen offenbar auf mehreren pharmakologischen Wirkmechanismen. Die bisherigen Erkenntnisse stammen aus Beobachtungsstudien, offenen Studien sowie begrenzten randomisierten, placebokontrollierten Untersuchungen.
Gleichzeitig weisen Forschende jedoch auf ein seltenes, aber klinisch bedeutsames Risiko hin: Ibogain kann die elektrische Aktivität des Herzens beeinflussen und zu einer Verlängerung der sogenannten QTc-Zeit führen. In der Folge drohen potenziell tödliche Herzrhythmusstörungen. Fallberichte zeigen, dass solche Komplikationen auch bei therapeutischen Dosierungen und bei Personen ohne bekannte Vorerkrankungen des Herzens auftreten können.
Ein möglicher Risikofaktor ist die individuell stark unterschiedliche Verstoffwechselung von Ibogain über das Enzym CYP2D6. Diese genetisch bedingten Unterschiede könnten dazu führen, dass manche Patientinnen und Patienten einem erhöhten kardiovaskulären Risiko ausgesetzt sind.
Um die Sicherheit zu verbessern, arbeiten Forschende derzeit an angepassten Dosierungsstrategien, engmaschiger kardiologischer Überwachung sowie an der Entwicklung von Ibogain-Analoga. Letztere zeigen in präklinischen Modellen vergleichbare pharmakologische Eigenschaften, jedoch ohne die beobachtete Herztoxizität.
Der Autor der Studie betont, dass zukünftige Anwendungen von Ibogain ausschließlich unter strenger medizinischer Aufsicht erfolgen sollten. Dazu gehören unter anderem genetische Tests zur Bestimmung des CYP2D6-Stoffwechsels sowie eine umfassende Überwachung der Herzfunktion. Künftige klinische Studien sollten sich zudem verstärkt auf sicherere Wirkstoffvarianten und personalisierte Therapieansätze konzentrieren, um das Nutzen-Risiko-Verhältnis dieser vielversprechenden Therapie zu optimieren.
Paper: Brunt TM. (2026), Rare but relevant: Ibogaine and cardiovascular complications-prolonged QT interval and ventricular arrhythmias. Addiction, Jan 20. doi: 10.1111/add.70319. Epub ahead of print. PMID: 41560340.





