Psilocybin bei Kokainabhängigkeit
Psychedelic Alpha: Interview
Eine klinische Studie aus den USA liefert neue Hinweise darauf, dass Psilocybin künftig eine Rolle in der Behandlung von Kokainabhängigkeit spielen könnte. In einem Interview mit dem Fachportal Psychedelic Alpha beschreibt der Psychologe und Suchtforscher Peter Hendricks die Ergebnisse einer Untersuchung, an der sein Team an der University of Alabama at Birmingham fast zehn Jahre gearbeitet hat. Die parallel in JAMA Network Open veröffentlichten Daten gelten als erste randomisierte, placebokontrollierte Studie, die den Einsatz von Psilocybin bei Kokaingebrauchsstörung untersucht hat.
An der Studie nahmen 40 Menschen mit diagnostizierter Kokainabhängigkeit teil. Nach mehreren vorbereitenden psychotherapeutischen Sitzungen erhielten die Probanden entweder eine einmalige hohe Dosis Psilocybin oder ein aktives Placebo, bevor weitere therapeutische Begleitung folgte. Nach sechs Monaten zeigte sich laut Hendricks ein deutlicher Vorteil in der Psilocybin-Gruppe: Die Teilnehmer blieben häufiger abstinent, erreichten längere rückfallfreie Phasen und hatten insgesamt bessere Chancen auf vollständige Abstinenz als die Vergleichsgruppe.
Hendricks bezeichnet die Ergebnisse als besonders bemerkenswert, weil Kokainabhängigkeit bislang zu den Suchterkrankungen zählt, für die keine zugelassenen medikamentösen Therapien existieren. Gleichzeitig betont der Forscher, dass die Studie unter schwierigen Bedingungen entstanden sei. Die Rekrutierung der Teilnehmer habe sich von 2015 bis 2023 hingezogen – gebremst durch begrenzte Fördermittel, regulatorische Hürden, gesellschaftliche Vorbehalte gegenüber psychedelischer Forschung und nicht zuletzt durch die COVID-19-Pandemie.
Besonderes Augenmerk legte das Forschungsteam nach eigenen Angaben auf die Zusammensetzung der Stichprobe. Anders als viele frühere Studien im Bereich psychedelischer Medizin umfasste die Kohorte überwiegend sozial benachteiligte schwarze Teilnehmer aus dem Süden der USA. Hendricks sieht darin einen wichtigen Schritt hin zu einer repräsentativeren Forschung bei Suchterkrankungen.
Auch methodisch versuchten die Wissenschaftler, typische Kritikpunkte psychedelischer Studien zu adressieren. So kam mit Diphenhydramin ein aktives Placebo zum Einsatz, um die Verblindung der Teilnehmer möglichst aufrechtzuerhalten und Erwartungseffekte zu minimieren. Nach Darstellung von Hendricks gelang dies weitgehend. Auffällig war zudem, dass alle Teilnehmer der Psilocybin-Gruppe das vollständige Therapieprogramm abschlossen, während in der Placebo-Gruppe ein Viertel vorzeitig ausschied.
Für Hendricks deutet dies darauf hin, dass Psilocybin nicht nur direkt auf das Suchtverhalten wirken könnte, sondern möglicherweise auch die Bereitschaft stärkt, therapeutische Prozesse konsequent durchzuhalten. Als mögliche psychologische Mechanismen nennt er eine erhöhte psychologische Flexibilität sowie eine nachhaltige Veränderung der inneren Haltung gegenüber dem eigenen Konsumverhalten.
Trotz der vielversprechenden Resultate mahnt der Forscher zur Zurückhaltung. Die Untersuchung sei ein erster Wirksamkeitsnachweis unter kontrollierten Bedingungen, müsse aber nun in größeren multizentrischen Studien bestätigt werden. Erst dann könne beurteilt werden, ob Psilocybin tatsächlich zu einer neuen Behandlungsoption für Menschen mit Kokainabhängigkeit werden könnte.





