Psychedelische Ikonen: Alan Moore

Alan Moore. Foto: Alan Moore CC-BY-SA 2.0

Psychedelische Ikonen: Alan Moore

Über den subversiven Comic-Künstler

Der britische Comic-Autor Alan Moore (* 18. November 1953) geriet als Teenager wegen seiner LSD-Abenteuer mit dem Gesetz in Konflikt. Moore konsumierte die Droge nicht nur, sondern verkaufte sie in der englischen Stadt Northampton auch an seine Klassenkameraden.

Als die Behörden auf ihn aufmerksam wurden, wurde der 17-jährige Moore von der Schule verwiesen. Er beschrieb sich später als „einen der unfähigsten LSD-Dealer auf der Welt”:

„Wenn du ein LSD-Dealer bist, der seine eigenen Produkte konsumiert, hast du das Problem, dass du höchstwahrscheinlich eine schrecklich verzerrte Sicht der Realität entwickelst. Und du magst glauben, dass du übernatürliche Fähigkeiten hast und wahrscheinlich vollkommen immun gegen jegliche Form von Vergeltungsmaßnahme und Strafverfolgung bist, aber leider ist dies keineswegs der Fall.”

Moore kam dann aber wieder auf den rechten Weg zurück und fand seine Berufung. Seine Graphic Novels erfreuen sich sowohl bei Kritikern wie auch bei Lesern äußerster Beliebtheit, und dies nicht nur, wenn er neue Versionen allgemein bekannter Charaktere schuf (u.a. Superman und Swamp Thing), sondern auch, wenn er vollkommen neue Erzählungen kreierte, wie z.B. Watchman, From Hell und V wie Vendetta.

In V wie Vendetta griff Moore das Thema LSD wieder auf. Trotz seiner oben angeführten Bemerkungen über LSD, u.a. eine „schrecklich verzerrte Sicht der Realität”, spielt die Droge eine wichtige Rolle in Vendetta und zwar als Mittel zur tieferen Wahrheitsfindung.

Einer der Hauptcharaktere, Eric Finch, nimmt LSD, weil er hofft, mit dessen Hilfe ein Rätsel lösen zu können; am Ende findet er nicht nur die Lösung des Rätsels, sondern gewinnt auch eine wesentliche Einsicht in sein eigenes Leben. Finch arbeitet als Polizeichef in dem von Faschisten beherrschten London, die nach einem Atomkrieg an die Macht gekommen sind. Er versucht schon seit einiger Zeit vergebens, einen Terroristen zu fangen, der sich V nennt. Als Finch herausfindet, dass V früher in einem Konzentrationslager der Regierung gefangen gehalten worden ist, geht er zu dem verlassenen Lager, um so viel wie möglich über die Identität seines Antagonisten herauszufinden. Er nimmt vier Hits LSD, um seinen Geist zu entspannen.

Auf den folgenden Seiten sieht Finch in seinen Halluzinationen Bilder von Gefangenschaft und Folter. Diese Visionen helfen ihm Vs Versteck zu erraten, aber als Krönung des Ganzen führen sie zur Selbsterkenntnis: Durch den Acid-Trip versteht Finch, dass er durch eigenes Verschulden in einem Leben gefangen ist, dass er widerlich und unehrlich findet. Er fragt sich selbst: „Wer hält mich hier gefangen?” und „Wer kann mich befreien? Wer außer mir selbst kontrolliert mein Leben und schränkt es ein?”

Sobald er diese Erleuchtung hat, verschwinden die schrecklichen Visionen (und auch seine Kleidung; in den letzten Panels ist er nackt). Letzten Endes führt Finch seine Mission gegen V aus, verlässt aber am Ende des Romans London und gibt seinen Job auf.

Moores Beschreibung von Finchs Acid-Trip legt zum einen die Theorie nahe, dass LSD gefährlich sein kann, und zum anderen zwei Theorien, dass es nützlich sein kann. Indem er Finch schreckliche Halluzinationen erleben lässt, räumt Moore ein, dass intensive psychedelische Erfahrungen manchmal von Panik begleitet werden und psychologische Schäden anrichten können.

Aber LSD liefert auch zwei positive Ergebnisse: Es steigert Finchs kreative Fähigkeiten als Ermittlungsbeamter und es bietet die Möglichkeit einer verdichteten selbstverabreichten Dosis existentieller Psychoanalyse. Die Filmversion von V wie Vendetta – die Moore nicht gefiel – zeigte Finchs Erleuchtung, ließ aber das LSD weg.

Wayne Glausser

Dieser Text ist dem Buch LSD-Kulturgeschichte von A bis Z entnommen (Nachtschatten Verlag, 2018).

Alan Moore auf Wikipedia