Psychedelische Ikonen: Grateful Dead
Grateful Dead. Diese Band ist eine musikalische Legende und untrennbar mit der psychedelischen Kultur verbunden.
Auf dem Höhepunkt der Hippie-Kultur in San Francisco sowie Jahrzehnte danach war Grateful Dead der Inbegriff einer Psychedelic-Rock-Band. Die Band lebte zusammen in einem viktorianischen Haus in der Ashbury St. und trat an allen berühmten Veranstaltungsorten in San Francisco und auf den bekanntesten Hippie-Events auf. Die für ihre Aufführungen entworfenen Poster wurden zu den beständigsten psychedelischen Ikonen.
Zur Kerngruppe der Band gehörten der Lead-Gitarrist Jerry Garcia, der Rhythmus-Gitarrist Bob Weir, der Bassist Phil Lesh, der Schlagzeuger Bill Kreutzmann (später stieß Mickey Hart dazu) und der Keyboarder Ron „Pig Pen” McKernan (gefolgt von einigen anderen).
Zunächst spielten sie als „Mother McCree’s Uptown Jug Champions” traditionelle Musik. Als sie anfingen, LSD zu nehmen, änderte sich Garcia zufolge alles drastisch: „Die ganze Welt ging kaputt”.
Die Band nahm den Namen The Warlocks an und begann, elektrische Musik zu spielen. 1965 und 1966 spielten The Warlocks – bald umbenannt in The Grateful Dead – bei fast allen Acid-Tests. Ihre Auftritte bei den Acid-Tests prägten ihren Stil grundlegend, der sich bald zu ihrem unverkennbaren psychedelischen Stil entwickeln sollte.
Bob Weir bemerkte dazu: „Die Acid-Tests waren ein komplettes Chaos mit kleinen Knoten von Quasi-Organisation hier und da, die kurz da waren und sich dann auflösten … Es gab sehr viel unmittelbare Telepathie, die während der Sessions stattfand. Wir lernten während dieser Sessions, unserer Intuition zu vertrauen … Wir lernten in jeder Hinsicht zu improvisieren” (I Want to Take You Higher).
Typische Dead-Konzerte setzten sich aus Songs unterschiedlicher Genres zusammen, aus traditionellen Blues- und Folksongs und frühen Rock-and-Roll-Klassikern. Oft spielten die Deads diese Songs mit ausgedehnten improvisierten Zwischenspielen. Viele Sets enthielten Medleys, in denen zwei oder mehrere Songs miteinander verwoben wurden.
Die Band machte vor den Konzerten keine festen Pläne für das, was sie spielen würde; Garcia sagte: „Wir arbeiteten lieber aus dem Stegreif als mit einem Blatt Papier.”
Bei den Acid-Tests standen die Dead unter LSD-Einfluss, wenn sie spielten. Im Laufe der Jahre mäßigten sie ihren LSD-Konsum während der Aufführungen und stellten ihn irgendwann ganz ein. Die Droge hatte einen wesentlichen Einfluss auf ihren Musikstil, aber, wie Garcia einräumte, litt normalerweise die Qualität ihrer Auftritte durch das LSD.
Einige der originellen Songs der Dead haben Texte mit eindeutigen Bezügen zur psychedelischen Szene. Die meisten dieser Texte wurden von Robert Hunter geschrieben, einem Dichter, der bei den Menlo-Research-Institute-Experimenten zum ersten Mal LSD genommen hatte. „That’s It for the Other One” bezieht sich zum Beispiel auf den Bus der Pranksters und den Fahrer Neal Cassady.
Andere Songs haben Texte, die auf eine für Acid Rock typische Art surreal angehaucht sind, beispielsweise „China Cat Sunflower”. „Dark Star”, das sowohl den surrealen lyrischen Stil wie eine der ausgedehntesten musikalischen Improvisationen der Dead kombiniert, wurde unter Fans generell als ihr ehrgeizigster Versuch der psychedelischen Erhabenheit betrachtet.
Die Dead spielten zahllose Versionen von „Dark Star”, häufig auf eine halbe Stunde ausgedehnt. Das Singen des Textes dauerte nur ein oder zwei Minuten; den Rest der Aufführung improvisierten die Dead melodische Riffs rings um die einfache Struktur des Songs, probierten unterschiedliche Rhythmen und instrumentelle Klänge aus und experimentierten mit abschweifenden Passagen.
In späteren Jahren, als sie den Song nicht mehr so oft spielten, hielten die Dead Schilder hoch, auf denen stand: „___Tage seit dem letztem Dark Star”. Als Jerry Garcia von Charles Reich gefragt wurde, was „Dark Star” bedeutete, lehnte er es ab, die Frage zu beantworten: „Ich habe ein langes Kontinuum von Dark Stars (dunklen Sternen), die sich in ihren Eigenschaften stark voneinander unterscheiden, bis hin zu den entgegengesetzten Extremen. ,Dark Star’ hat, wenn ich es spiele, fast so viele verschiedene Dinge bedeutet, wie ich mir vorstellen kann, während ich hier sitze” (Rolling Stone Interview).
Wenn auch die musikalischen Bedeutungen von „Dark Star” zu zahlreich sind, um näher bestimmt zu werden, so bietet der Songtext einige Hinweise. Der Titel und viele andere Bilder deuten eine paradoxe Welt an, in der sich Licht und Erkenntnis mit Dunkelheit und Auflösung vermischen.
Der Text ruft ein Gefühl der psychedelischen Desorientierung hervor, die sowohl reizvoll als auch beängstigend ist. Hunters Refrain lädt den Zuhörer ein, sich auf eines dieser romantischen Abenteuer einzulassen, die in der psychedelischen Musik häufig auftauchen. Das Ziel ist eine umgestaltete neue Welt, in der die dunklen Sterne in der Imagination zu Diamanten werden. Die Betonung liegt jedoch auf einer Übergangsschwelle und nicht auf einem festen Ziel. In „Dark Star” ist das Mittel, diesen Wandel zu vollziehen, die von den Dead improvisierte Musik, die sich von einem Auftritt zum anderen fortlaufend verändert.
Treue Fangruppen („Deadheads”) folgten der Band noch Jahrzehnte, nachdem die psychedelische Kultur ihren Höhepunkt überschritten hatte.
Die Grateful Dead und die Deadheads erhielten diese Kultur durch Tourneen, Aufzeichnungen von Live-Shows, gebatikte Fanartikel und einen Gemeinschaftsgeist, der einer kontinuierlichen, kleinformatigen Reinkarnation von Woodstock gleichkam, am Leben.
Die Dead-Konzert-Szene förderte auch die beständige Nachfrage nach LSD. Experten wiesen darauf hin, dass ein deutlicher Rückgang in der Verfügbarkeit und des Konsums von LSD in den späten 1990er-Jahren auf den Tod von Jerry Garcia im Jahr 1995 und die Auflösung der Grateful Dead zurückgeführt werden kann.
Wayne Glausser
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Dieser Text ist dem Buch LSD-Kulturgeschichte von A bis Z entnommen (Nachtschatten Verlag, 2018).





