Psychedelische Ikonen: Philip K. Dick
Künstlerporträt
Der US-amerikanische Autor Philip Kindred Dick (1928 bis 1982), auch unter den Pseudonymen Jack Dowland und Richard Phillips bekannt, war während der psychedelischen Blütezeit ein produktiver und innovativer Science-Fiction-Schriftsteller. Seine Werke thematisieren oft Drogen, Halluzinationen, Desorientierung und Visionen alternativer Realitäten – alles Elemente, die auf LSD-Erfahrung hindeuten.
Obwohl Dick LSD nahm und die Verbindung zwischen seiner Literatur und der psychedelischen Erfahrung bestätigte, dementierte er im Nachhinein den Einfluss von LSD auf sein Werk. Er nahm 1974 in einem Interview mit Arthur Byron Cover ausdrücklich zu diesem Thema Stellung.
Als er gefragt wurde: „Welchen Effekt hatte LSD auf ihr Schreiben?”, antwortete Dick: „Ich wüsste nicht welchen. Es ist immer möglich, dass es einen Effekt hatte, dessen ich mir nicht bewusst bin. Mein Roman Die Drei Stigmata des Palmer Eldritch beispielsweise handelt sozusagen von einem schrecklich schlechten Acid-Trip. Den habe ich geschrieben, bevor ich je LSD gesehen habe. Ich habe das geschrieben, nachdem ich eine Beschreibung von dessen Entdeckung und der Art der Wirkung, die es hat, gelesen habe. Wenn also mein wichtigster Roman des halluzinogenen Sub-Genres zustande kam, ohne dass ich jemals LSD nahm, dann würde ich sagen, dass sogar mein Werk nach dem LSD, in dem Halluzinationen vorkommen, leicht ohne Acid hätte geschrieben werden können.”
In demselben Interview sprach Dick noch über zwei weitere Werke aus den 1960er-Jahren, die die psychedelische Thematik anklingen lassen: den Roman Marsianischer Zeitsturz und die Kurzgeschichte Glaube unserer Väter.
Dick gibt zu, dass Marsianischer Zeitsturz „nahelegt, dass es auf Acid hätte geschrieben sein können”, aber er schrieb es, bevor er LSD genommen hatte. Als Cover sich nach Glaube unserer Väter erkundigte – war es nicht „inspiriert von oder geschrieben unter dem Einfluss von Acid?” – spielte Dick wiederum die Verbindung herunter: „Das stimmt wirklich nicht. Erstens kann man nichts schreiben, wenn man auf Acid ist. Ich schrieb hin und wieder auf einem Trip eine Seite, aber die war auf Latein. Das ganze verdammte Ding war auf Latein und ein bisschen was war auf Sanskrit, und dafür gibt es keinen großen Markt.”
In seiner frühen Karriere hatte er die psychedelische Muse bereitwilliger umarmt. Er erzählte Cover: „Ich bin überrascht, wenn ich das lese, was ich auf den Klappentexten meiner Bücher über [LSD] zu sagen pflegte. Ich habe das selbst geschrieben: ,Er hat mit halluzinogenen Drogen experimentiert, um die unveränderliche Realität hinter unseren Scheinwelten zu finden.’ Und nun sage ich ,Guter Gott!’”
Auch, wenn ihm der Klappentext später peinlich war, navigiert Dicks Werk in der Tat die Grenzbereiche zwischen „Realität” und „Scheinwelten” auf eine Art, die eine psychedelische Wahrnehmung nahelegt.
In jedem der drei Werke, die Acid anklingen lassen und über die er 1974 in dem Interview sprach, kämpft eine Figur mit immer wiederkehrenden Visionen von halb-mechanischen Wesen. Diese Visionen sind immer verstörend, unabhängig davon, ob die Figur die Wesen als gottgleich oder unmenschlich interpretiert.
In Die Drei Stigmata des Palmer Eldritch ist das mechanische Wesen Palmer Eldritch, dessen „Stigmata” aus einer Roboterhand, künstlichen Augen und Stahlzähnen bestehen.
Der Protagonist Jack Bohlen aus Marsianischer Zeitsturz leidet regelmäßig unter schizophrenen Episoden, wenn Menschen um ihn herum mechanisch, anstatt biologisch zu sein scheinen. Und in „Glaube unserer Väter” entdeckt ein Bürokrat in einer totalitären Gesellschaft, dass der Führer kein Mensch ist, sondern eine Art Demiurg; für diejenigen, die Drogen nehmen, um hinter die Illusion zu sehen, wird der nette alte Mann eine klapprige Maschine oder irgendeine andere nicht-menschliche Gestalt.
Dick erzählte Cover, dass er nicht „so sehr viel” LSD nahm und dass die Trips nicht angenehm waren. „Alles, was ich je über Acid herausfand, war, dass ich dort war, wo ich schnell wieder herauskommen wollte. Es schien nicht wirklicher zu sein als irgendetwas anderes; es schien nur schrecklicher zu sein.”
Er fügte hinzu: „Ich hatte Freunde, die Acid einwarfen und die dauerhaft psychotisch wurden.” Dick selbst litt an psychotischen Episoden. Angesichts des Risikos, dass LSD unterschwellige psychische Störungen auslöst, hat Dick guten Grund, die Droge zu fürchten – gerade so wie seine Literatur immer wieder auf ontologische Verwicklungen, die psychedelisches Bewusstsein andeuten, zurückkommt.
Wayne Glausser
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Dieser Text ist dem Buch LSD-Kulturgeschichte von A bis Z entnommen (Nachtschatten Verlag, 2018).





