PsychedELSI: Psychedelik wissenschaftlich
Charité: Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Die Forschungsinitiative PsychedELSI widmet sich den ethischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Konsequenzen der aktuellen Wiederentdeckung psychedelischer Substanzen in der wissenschaftlichen und klinischen Nutzung. Schon erste vorläufige Studien mit Wirkstoffen wie Psilocybin und MDMA lassen auf ein erhebliches therapeutisches Potenzial hoffen – insbesondere für die Behandlung von Depressionen, Angst-, Zwangs- und Suchterkrankungen. Gleichzeitig bestehen jedoch klare rechtliche Hürden (z. B. im Sinne des deutschen Betäubungsmittelrechts) und eine vielschichtige kulturgeschichtliche Einbettung dieser Substanzen.
Das Projekt untersucht insbesondere:
Welche besonderen ethischen, philosophischen und sozialen Herausforderungen gehen mit dem Einsatz von Psychedelika einher – über die üblichen medizinischen Innovationsfragen hinaus?
Wie verändern sich gesellschaftliche Wahrnehmungen und rechtliche Bewertungen, wenn psychedelische Substanzen therapeutisch verwendet werden, obwohl sie in der nicht-medizinischen Nutzung (z. B. Freizeitgebrauch von MDMA) bereits verbreitet sind?
Welche Rolle spielt die subjektive Erlebnisdimension („psychedelischer Trip“) bei der Bewertung medizinischer Effekte – und wie lässt sich diese Erfahrung epistemisch, ethisch und rechtlich einordnen?
Weltweit, und auch an der Charité, wird zurzeit erforscht, inwieweit psychedelische Stoffe in der Psychiatrie Nutzen bringen können. Sollte sich dieser therapeutische Einsatz bestätigen, wäre mit einer signifikanten Erweiterung psychiatrischer Therapiemöglichkeiten zu rechnen. Gleichzeitig erscheint der nicht-medizinische Gebrauch von Substanzen wie MDMA als Ecstasy in der EU bei jungen Erwachsenen nicht unerheblich: etwa 2 % der 15- bis 25-Jährigen hatten im Jahr 2022 mindestens einmal MDMA konsumiert. Die damit verbundenen Risiken – teils mit tödlichem Ausgang – unterstreichen die Dringlichkeit einer reflektierten Auseinandersetzung mit der Thematik.
Bereits in den 1950er Jahren wurden umfassende Bewusstseinsveränderungen durch klassische Psychedelika wie LSD oder Psilocybin dokumentiert – etwa eine Studie zeigte, dass viele Teilnehmende das Erlebnis mit Psilocybin als eines der fünf bedeutendsten ihres Lebens beurteilten. Auf der anderen Seite wird kritisch darauf hingewiesen, dass solche Erlebnisse Halluzinationen oder trügerische, wenn auch subjektiv tröstliche Illusionen sein könnten. Die Frage, wie aussagekräftig solche Erlebnisse wirklich sind und wie sie in medizinischer Praxis zu bewerten sind, wirft komplexe philosophische, ethische und rechtliche Fragen auf.
PsychedELSI zielt darauf ab, Gesellschaft, Politik und Fachöffentlichkeit auf die im Zusammenhang mit der psychedelischen Renaissance entstehenden Fragen und Entwicklungen vorzubereiten. Unter der Leitung von Dr. med. Dimitris Repantis an der Charité werden interdisziplinär Expert:innen aus Anthropologie, Philosophie, Psychiatrie, Rechtswissenschaft und Soziologie zusammengebracht.
Das Konsortium umfasst unter anderem:
Anthropologie: Prof. Dr. Nicolas Langlitz, M.A. Minsu Yoo (Psychedelic Humanities Lab, New York)
Philosophie: Dr. phil. Sascha Benjamin Fink; Dr. phil. Chiara Caporuscio
Psychiatrie & Psychotherapie: Dr. med. Dimitris Repantis; Dr. med. Astrid Gieselmann; Dr. sc. med. Christopher Poppe
Rechtswissenschaft: Dr. iur. Jan Christoph Bublitz
Soziologie: Univ.-Prof. Dr. Torsten Voigt
Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Förderzeitraum 2023–2026 gefördert (Projekt-Kennung 01GP2214A-D).
Verantwortlich für das Projekt ist Dr. med. Dimitris Repantis an der Charité (Campus Mitte, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie). Weitere Informationen sind über die Projektwebseite verfügbar.





