Sicherheit von psychedelischen Retreats
Neue Studie erschienen
Eine neue qualitative Studie wirft ein differenziertes Licht auf die Sicherheitsaspekte rekreativer psychedelischer Retreats, deren Angebot weltweit stark wächst. In Interviews mit Vertretern von 49 öffentlich beworbenen Organisationen zeigt sich, dass zwar grundlegende Vorsichtsmaßnahmen weit verbreitet sind – gleichzeitig aber erhebliche Unterschiede bestehen, die Risiken für Teilnehmende mit sich bringen könnten.
Die Untersuchung ergab, dass alle befragten Anbieter vor der Teilnahme medizinische Informationen über ihre Gäste einholen. Rund drei Viertel der Organisationen schließen zudem Personen mit bestimmten Vorerkrankungen aus. Besonders verbreitet ist auch die Empfehlung oder Verpflichtung, vor dem Retreat auf Medikamente zu verzichten: Knapp 88 Prozent der Anbieter verlangen sogenannte „Washout“-Phasen, die von einem Tag bis zu mehr als sechs Wochen reichen können.
Zum Einsatz kommen vor allem Ayahuasca und Psilocybin, wobei fast 40 Prozent der Organisationen mehrere psychedelische Substanzen anbieten. Diese Praxis der Mehrfachverwendung könnte nach Einschätzung der Forschenden zusätzliche Risiken bergen, insbesondere wenn sie nicht ausreichend medizinisch begleitet wird.
Immerhin arbeitet die Mehrheit der Retreat-Anbieter mit medizinischem Fachpersonal oder zumindest mit in Notfallmaßnahmen geschulten Personen zusammen. In etwa zwei Dritteln der Fälle ist entsprechendes Personal auch während der Veranstaltungen zumindest zeitweise anwesend. Zudem bieten alle untersuchten Organisationen eine Form von Integration an – also Unterstützung bei der Verarbeitung der Erfahrungen nach dem Konsum.
Trotz dieser Maßnahmen warnen die Autorinnen und Autoren der Studie vor möglichen Sicherheitslücken. Die große Bandbreite an Praktiken und Standards erschwere eine verlässliche Einschätzung der Risiken. Insbesondere uneinheitliche Regelungen zum Absetzen von Medikamenten und zum Umgang mit mehreren Substanzen könnten problematisch sein.
Die Forschenden sehen daher politischen Handlungsbedarf: Mit der wachsenden Beliebtheit psychedelischer Retreats entstünden neue Herausforderungen für Regulierung und Gesundheitsschutz. Sie fordern die Entwicklung klarer Leitlinien, die gemeinsam mit indigenen Gemeinschaften und nicht-klinischen Akteuren erarbeitet werden sollen.
Paper: McGuire, A. L., Neitzke-Spruill, L., Robinson, J. O., Beit, C. S., Singh, N., Mathai, D. S., & Averill, L. A. (2026), Reported Safety Practices of Publicly Advertised Psychedelic Retreats, JAMA Network Open, 9(1), e2552505.





