ARD berichtet über 1cP-LSD-Shop

Blick über Berlin. Foto: Stefan Widua @stewi via Unsplash

ARD berichtet über 1cP-LSD-Shop

Bericht fällt düster aus

Am 18. Januar 2021 berichtete Lucy über den LSD-Shop Carl Philipp Trump. Der Jungunternehmer Trump verkauft auf lsd.shop das (noch) legale Derivat 1cP-LSD (1-Cyclopropionyl-D-Lysergsäurediethylamid).

Durch wenige Änderungen am Molekülstamm entwickelten findige Chemiker LSD-Varianten, die aufgrund gesetzlicher Bestimmungen in Deutschland nicht illegal sind. So war der “Vorgänger” von 1cP-LSD das durch das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG) verbotene 1P-LSD (1-Propionyl-D-Lysergsäurediethylamid). Obwohl das NpSG im Jahre 2016 speziell für solche Research-Chemical-Fälle verabschiedet wurde, und auch jedes Jahr aktualisiert wird, wurde 1P-LSD lange Zeit als legale Acid-Alternative gehandelt, bis die Überarbeitung des NpSG im Jahr 2019 schließlich für ein Verbot von 1P-LSD sorgte.

Somit synthetisierte man 1cP-LSD, welches sich schnell zur legalen Alternative zum mittlerweile verbotenen 1P-LSD entwickelte. Da das Derivat relativ neu ist, ist es immer noch legal. Die nächste Novelle des NpSG wird aber höchstwahrscheinlich auch 1cP-LSD mit auf die Liste der verbotenen Substanzen setzen.

Die derzeitige Legalität macht sich Carl Philipp Trump aus Berlin mit seinem LSD-Start-up zunutze. Er betreibt einen Onlineshop, in dem er legal 1cP-LSD verkauft – sogar mit berlin-internem Lieferservice.

ARD-Reporter Milan Panek fuhr mit einem Filmteam nach Berlin, um dort im Rahmen der NDR-Reihe „Drogenrepublik Deutschland“ mit Trump zu sprechen und einen Einblick in die Gebaren des LSD-Händlers zu erhalten. Der offensichtlich unzureichend recherchierte Bericht vom 18. Januar 2021 fällt dabei leider überraschend vorurteilsbehaftet, sensationalistisch sowie prohibitionistisch aus. So wird besonderes Augenmerk auf negative Meinungen über die Substanz, Erlebnisse mit derselben und Carl Philipp Trump gelegt – man gewinnt den Eindruck, dass die NDR-Berichterstatter eine dauerhafte Skepsis beim Zuschauer zu erwecken versuchen. Düstere, bedrohliche Musik ist dem Report unterlegt, was zusätzlich für einen beklemmend-kriminellen Eindruck sorgt. Auch Trumps Aufenthalt in einer Psychiatrie, der wohl u.a. aufgrund eines LSD-Trips verursacht wurde, wird thematisiert. Dass das nicht die Regel sein muss, wird nicht angesprochen.

Auch wird gezeigt, wie Mitstreiter Trumps Werbeplakate für ihren Shop auf einem Berliner Platz anbringen, was Herr Panek als “Provokation” bezeichnet. Obwohl 1cP-LSD nicht verboten ist, sind die Betreiber gezwungen, die Plakate wieder zu entfernen. Auch ein Verkaufsstand von Carl Philipp Trump auf einem Trödelmarkt ist für den Reporter “provokativ”.

Lediglich zwei Meinungen zum Ende des Filmes hinterlassen einen vernunftbasierten Eindruck: Ein 19-jähriger anonymer Kunde Trumps sowie eine Grünen-Politikerin verdeutlichen den Irrsinn der Verbotspolitik – wird nämlich ein Research Chemical verboten, so rücken innerhalb kürzester Zeit weitere Neusynthetisierungen nach. So schafft die Drogenprohibition eigens die Hydra, die sie zu bekämpfen versucht.

Die Redaktion empfiehlt, den ARD-Bericht anzuschauen, um sich ein eigenes Bild zu machen.